Die drei Methoden – kurz und ohne Beraterlatein
- Praktikermethode: Der Schweizer Klassiker, den auch die Steuerbehörden verwenden. Sie beantwortet zwei Fragen und mischt die Resultate: Was besitzt die Firma (der Substanzwert: Maschinen, Fahrzeuge, Lager und Bankguthaben, abzüglich Schulden)? Und was verdient sie (der Ertragswert, siehe nächster Punkt)? Die Formel: zweimal Ertragswert plus einmal Substanzwert, geteilt durch drei. Solide für Steuer- und Erbfragen. Die Schwäche: Sie belohnt Besitz – aber ein Käufer zahlt nicht für Ihre alten Maschinen, sondern für die Gewinne, die sie künftig abwerfen.
- Ertragswertmethode: Hier zählt nur, was die Firma künftig verdient. Man nimmt den nachhaltigen Jahresgewinn und fragt: Wie viel Kapital müsste ich anlegen, damit es mir jedes Jahr genau diesen Gewinn als Rendite abwirft? Beispiel: CHF 300'000 Gewinn bei 12% geforderter Rendite ergibt CHF 2.5 Mio. Firmenwert (300'000 geteilt durch 0.12). Konzeptionell richtig. Die Schwäche: Der «richtige» Zinssatz ist Ermessenssache – und schon zwei Prozentpunkte mehr oder weniger verändern den Wert um Hunderttausende.
- EBITDA-/EBIT-Multiples: Was vergleichbare Firmen tatsächlich kosten. Für Schweizer KMU je nach Branche und Grösse meist das 4–8-fache EBITDA; das KMU-Portal des Bundes rechnet für Firmen bis rund CHF 10 Mio. Umsatz mit etwa dem 5-fachen EBIT. Die aktuellen Bandbreiten nach Branche stehen auf der Multiples-Seite.
Für den Verkauf zählt die dritte: Käufer rechnen in Multiples. Die ersten beiden sind Plausibilisierung.
Warum der Rechner-Wert nicht der Preis ist
Online-Rechner und Formeln beschreiben das Unternehmen – der Preis aber bildet das Risiko des Käufers ab. Innerhalb der Bandbreite «4–8x» entscheiden dieselben Faktoren immer wieder, ob Sie am unteren oder oberen Rand landen: Hängt der Betrieb am Inhaber (0.5–2.0 Multiple-Punkte Abschlag)? Macht ein Kunde 35% des Umsatzes aus? Sind die Zahlen käuferfertig oder ein Normalisierungs-Puzzle? Zwischen 4.5x und 6x liegt bei CHF 600'000 EBITDA fast eine Million Franken – und keiner dieser Faktoren steht in einem Online-Formular.
Der heutige Wert Ihrer Firma ist eine Momentaufnahme. Die relevante Rechnung für jeden Inhaber mit 2–3 Jahren Horizont lautet: Wert heute vs. Wert nach gezielter Vorbereitung.
Typisches Beispiel: heute CHF 600'000 EBITDA × 4.5 = CHF 2.7 Mio. Nach 24 Monaten Arbeit an Ertrag und Risikoabschlägen: CHF 720'000 × 5.5 = CHF 4.0 Mio. Die Wertlücke – hier CHF 1.3 Mio. – ist der Betrag, um den es bei der Bewertungsfrage wirklich geht.
So kommen Sie zu einer belastbaren Antwort
- Schritt 1: Nachhaltiges EBITDA herleiten – bereinigt um Inhaberlohn, private Aufwände und Einmaleffekte. Das ist die halbe Bewertung und der Teil, den fast alle KMU falsch machen.
- Schritt 2: Die Branchen-Bandbreite anlegen (Multiples Schweiz) und ehrlich einordnen, wo Sie darin stehen – der Verkaufsfähigkeits-Check zeigt es in fünf Minuten.
- Schritt 3: Die Wertlücke beziffern und entscheiden: jetzt verkaufen – oder erst den Wert bewegen.