Was in der Due Diligence wirklich passiert

Nach der Grundsatzeinigung öffnet sich der Datenraum, und der Käufer prüft mit seinen Beratern jede Behauptung Ihrer Verkaufsdokumentation: Sind die Erträge nachhaltig? Gehören die Verträge, Marken und Systeme wirklich der Firma? Hängt der Betrieb am Inhaber? Die Psychologie ist entscheidend: Jede Lücke verschiebt Verhandlungsmacht zum Käufer. Ein fehlender Vertrag ist selten ein echtes Risiko – aber immer ein Argument für einen Abschlag. Und ein Verkäufer, der zwei Wochen für die Zahlenlieferung braucht, bestätigt unfreiwillig den Verdacht, dass die Firma ohne ihn nicht funktioniert.

Die 12-Monats-Vorbereitung

  • Monate 1–3 – Selbstprüfung: Gehen Sie die Checkliste unten durch, als wären Sie der Käufer. Jede Lücke kommt auf eine Liste mit Verantwortlichem und Termin. Das ist die KMU-Version einer Vendor Due Diligence – ohne Beraterbericht, mit demselben Effekt.
  • Monate 3–9 – Beheben: Verträge nachdokumentieren, Privates aus der Erfolgsrechnung lösen, EBITDA-Normalisierung sauber herleiten, Reporting automatisieren. Die häufigsten Baustellen sind keine juristischen, sondern Zahlen- und Prozessthemen – genau die, die ich umsetze.
  • Monate 9–12 – Datenraum aufbauen: Struktur unten übernehmen, Dokumente ablegen, Versionen bereinigen. Ziel: Auf die erste Anforderungsliste eines Käufers antworten Sie in Tagen, nicht Wochen.

Diese zwölf Monate entsprechen der Schlussphase des Verkaufsbereit-Programms – wer früher startet, holt vorher auch noch die Werthebel.

Die Datenraum-Checkliste

Die Struktur, die Käufer und ihre Berater erwarten – angepasst auf KMU-Grösse:

  • 1 · Finanzen: Jahresabschlüsse der letzten 3 Jahre (inkl. Revisionsberichte, falls vorhanden), aktuelle Zwischenzahlen mit Vorjahresvergleich, Budget/Forecast, EBITDA-Normalisierung mit Herleitung, Debitoren-/Kreditorenlisten mit Altersstruktur, Bankverträge und Leasing.
  • 2 · Steuern: Veranlagungen der letzten 3 Jahre, MWST-Abrechnungen, offene Rulings oder Verfahren, Nachweis der Trennung von Privat- und Geschäftsaufwand.
  • 3 · Kunden & Umsatz: Umsatz nach Kunden (3 Jahre), Top-10-Kundenverträge, Rahmenverträge und Konditionen, offene Offerten und Auftragsbestand, Übertragbarkeitsklauseln (Change of Control).
  • 4 · Lieferanten & Verträge: wichtigste Lieferverträge, Mietverträge, Versicherungspolicen, laufende Verpflichtungen und Garantien.
  • 5 · Personal: anonymisierte Lohnliste mit Funktionen und Dienstalter, Arbeitsverträge der Schlüsselpersonen, Reglemente, Pensionskassen-Anschluss, offene Überstunden-/Ferienguthaben.
  • 6 · Recht & Eigentum: Statuten, Aktienbuch, Handelsregisterauszug, Marken und Domains, hängige oder drohende Rechtsfälle.
  • 7 · IT & Prozesse: Systemübersicht mit Lizenzen, Prozessdokumentation, Datenschutz-Grundlagen, Zugriffs- und Passwortkonzept – der Beweis, dass der Betrieb übertragbar ist.
Für Treuhänder und M&A-Berater

Diese Checkliste dürfen Sie gerne an Mandanten weitergeben oder im Nachfolgegespräch einsetzen. Wenn ein Mandant die Zahlen- und Prozessseite nicht selbst stemmen kann: Genau diesen Teil setze ich um – komplementär, ohne Buchhaltungs-, Steuer- oder Verkaufsmandat. cedric@cedric-mueller.ch

Der unterschätzte Teil: Zahlen, die von selbst aktuell bleiben

Ein Datenraum ist eine Momentaufnahme – aber ein Verkaufsprozess dauert Monate, und der Käufer will jeden Monat aktuelle Zahlen sehen. Wer sein Reporting automatisiert hat, liefert auf Knopfdruck und beweist nebenbei, dass die Firma auch ohne Inhaber steuerbar ist. Wer jeden Monatsabschluss von Hand zusammenstellt, wird den Prozess als Vollzeitjob neben dem Tagesgeschäft erleben. Der Aufbau eines automatisierten Reportings gehört deshalb in die Monate 3–9 – nicht erst in den Prozess.